Faszinierende Nachbarn

Dem 2001 von Margrét Hardardóttir und Steve Christer umgebauten Galerie- und Ateliergebäude in Reykjavík dürfte es gefallen haben, dass sein Herrchen Sigurgeir Sigurjónsson den abrissreifen Nachbar zu neuem Leben erweckte. Dem alten Nachbar durfte es umgekehrt auch gefallen haben, dass man ihn mit Seidenhandschuhen saniert hat. Behutsam wurde ihm eine Innenkonstruktion aus Beton einverleibt und eine leichte Fassadenstruktur aus Holz übergezogen. Auch die Wiederverwendung von Wänden, Flächen und Materialien zeugt vom nachhaltigen Umgang mit dem Bestand. Am Ende wurde das ehemalige Ladengebäude strassenseitig mit einem Gewand aus Wellblech versehen. Dadurch gewinnt der alte Nachbar neuen Anschluss an die isländische Bautradition, und er kann sich ungestört in die grau verkleidete Häuserreihe einfügen. Schlussendlich entstand durch das Duo Hardardóttir und Christer ein gleichwertiges Ensemble. Der durch seine Islandaufnahmen bekannt gewordene Fotograf Sigurjónsson nutzt die Gebäude sowohl als Arbeitsort als auch als Archiv. Die Dachlandschaft setzt durch ihre kontextuelle Diskontinuität einen spannenden Akzent im Stadtraum. Gleichzeitig entsteht dadurch eine vom Dach des Altbaus zugängliche Terrasse. Die Beziehung von innen und aussen ist äusserst kontrastreich: Auf die nordische Zurückhaltung folgt im Innern ein faszinierendes Wechselspiel aus rohem Beton, weiss verputzten Wänden, in Holz gerahmten Fenstern und altem Mauerwerk. Dem Gebäude scheint ein kreatives Potenzial innezuwohnen, das auf seine Entfaltung durch den Künstler wartet.

Architektur: Studio Granda

Fotografie: Sigurgeir Sigurjónsson

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