Ein Naturpark direkt unter einem aktiven Vulkan? – Leider!

Das kleine Örtchen namens Chã das Caldeiras auf der kapverdischen Insel Fogo gibt es schon ewig, berühmt geworden ist es aber erst seit etwas mehr als zehn Jahren. Mit der Deklarierung der Gegend als Naturpark im Jahre 2003 wurden viele der üblichen landwirtschaftlichen Praktiken der Inselbewohner verboten, welche daraufhin mit Protesten reagierten. Als Versöhnungsgeste der Regierung wurde folglich ein Kulturzentrum errichtet, das jedoch Ende letzten Jahres aufgrund eines erneuten Ausbruchs des Inselvulkans zerstört wurde – genau deswegen lohnt sich ein Rückblick in die preisgekrönte Kulturstätte doppelt.

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Das Konstrukt entworfen hat das Team von OTO Arquitectos aus Lissabon. Die Architekten achteten bei der Planung auf die landwirtschaftliche Integration des Neubaus und liessen auch die Landschaft zu einem Bestandteil der Architektur werden. Anders als ursprünglich geplant, kamen aus Kostengründen grösstenteils örtliche Materialien und traditionelle Bauweisen zur Anwendung, die von den Inselbewohnern selbst umgesetzt werden konnten.

Die groben Wände aus dunklem Stein liessen das Zentrum am Rande des Vulkankraters mehr wie eine antike Ruine, als wie ein Bau der Moderne aussehen. Brücken, Rampen und ein begehbares Dach verschmolzen mit der Umgebung, was den «Fremdkörper» somit auch ausserhalb der Öffnungszeiten attraktiv bleiben liess.330

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Aufgrund der doppelten Nutzung war das Zentrum in zwei Bereiche eingeteilt: Ein überdachtes wie auch ein offenes Auditorium, eine Bibliothek und eine Bar bildeten den kulturellen Teil, während die Verwaltung neben Büros und Besprechungszimmern auch Laboratorien umfasste.

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Auch sonst bot das Zentrum des Naturparks beinahe alles, was die Menschen und Nutztiere dort zum Leben brauchen: Solarzellen lieferten den Strom, auf dem Dach wurde Frischwasser gesammelt. Das Abwasser wurde wiederum im Haus selbst aufbereitet. Nachts beleuchteten Blenden die Anlage nur schwach – so wurden Vögel und andere Tiere der Insel nicht gestört.

 

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Das Gebilde fügte sich also nicht nur gekonnt in die natürliche vulkanische Umgebung ein – es fungierte zusätzlich als Versorger für seine Nutzer und passt sich darüber hinaus auch dem Lebensrhythmus der Inselbewohner an. Architektonisch betrachtet kam dem Gebäude zugute, dass es der Gegend mit seiner sinnlichen, atmosphärisch starken Erscheinung dennoch eine neue Perspektive bot.

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Der “Pico de Fogo“ – Fogo ist das portugiesische Wort für Feuer – wirkt mit seinen fast 3000 m Höhe ein wenig wie der Schutzpatron der Insel. Was für eine zerstörerische Kraft in ihm schlummert, mussten die Bewohner der Insel aber erst kürzlich am eigenen Leibe erfahren.

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Im November 2014, sieben Monate nach der Eröffnung, wurde die Zentrale des Naturparks durch eine erneute Eruption des Vulkans zerstört. Im Gedächtnis der Menschen bleibt sie dennoch – mit dem Gewinn des “Prémio Nacional de Arquitectura de Cabo Verde“ und dem “Building of the Year-Award 2015“ von Archdaily ist ihr zumindest auch offiziell ein Platz in der Geschichte der beeindruckendsten Bauten gewidmet worden.

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