Wohnen in der neuen Scheune

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Ausserordentliches Wohnen inmitten des gewachsenen Wohnviertels Sesto San Giovanni bei Milano. Foto: Simone Bossi

Das Projekt «Six houses in a barn» ist in vieler Hinsicht nachhaltig. Gleichzeitig präsentiert es sich dank Bezug auf den historischen Kontext als identitätsstarkes Wohngebäude inmitten des Viertels Sesto San Giovanni, am Rande der Metropole Milano. Das Studio Mascazzini aus Milano fand einen spannenden Umgang mit dem Ort, der zu einem etwas anderen Wohnhaus führte.

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Die Form haben die ehemalige Scheune und das Wohnhaus gemeinsam. Foto: Simone Bossi

Sich der Geschichte als ausschlaggebender Gestaltungsfaktor zu bedienen zeugt von einem respektvollen Umgang mit Zeit und Ort. Der Neubau von Studio Mascazzini ersetzt eine zusammengefallene Scheune in Sesto San Giovanni und ist somit Teil der Metropole Milano. Das Prozedere ähnelt in mancher Sicht einem Wiederaufbau: Dimension, Form und Material des ehemaligen Baus fanden allesamt in «Six houses in a barn» zu einer neuen Konstellation zusammen.

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Die Öffnungen entsprechen dem Konzept des kompakten Baukörpers einer Scheune. Foto: Simone Bossi

Behutsam untersuchten die Architekten Gino Guarnieri und Roberto Mascazzini die Schichten der Zeit und suchten dabei nach Merkmalen, die den Kontext des Ortes und stärken. Dass der Ort einst für die Landwirtschaftsproduktion genutzt wurde, bleibt nach wie vor sichtbar. Trotz des gleichen Programms, spricht das Gebäude eine ganz andere Sprache als die unmittelbare Umgebung, welche sich heute als eine wilde Agglomeration verschiedener Typologien und Infrastrukturen präsentiert. Die letztere führte in den 1970er-Jahren durch den Erfolg der angesiedelten Industriebetriebe ruckartig zur Entwicklung einer fast hunderttausend-köpfigen Wohnstadt, die aber seit der Wirtschaftskrise in den 1990er-Jahre wieder an Einwohnern verliert.

 

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In der Scheune wohnt es sich erstaunlich hell. Foto: Simone Bossi

Nachhaltigkeit ist in vielen Projekteigenschaften nachzuweisen. Um den Ressourcenverbrauch möglichst niedrig zu halten, besteht die identitätsstiftende Fassade des Neubaus aus zerbröckeltem Aushub- und Fassadenmaterial, das der Ort bereits in anderer Form beherbergte. Die ausdrucksstarke Fassade wird dabei durch ein Stahlnetz geformt. Darin finden sechs linear aufeinanderfolgende Wohneinheiten an drei Stockwerken Platz. Mit wenigen Öffnungen, die sich mechanisch durch ein undurchlässiges Kupferelement nach Belieben öffnen und schliessen lassen, wurde versucht, der kompakten und geschlossenen Form des ehemaligen Baukörpers ästhetisch nachzufühlen. Die einige Zentimeter dicke Steinverkleidung wirkt sich dank ihrer Wärmespeicherkapazität positiv auf den Energiehaushalt der Wohneinheiten aus. Innen ist es durch den Einsatz von hellen Farben und Durchschusswohnen erstaunlich hell und freundlich. Es entsteht ein angenehmer Kontrast: Der neue urbane Alltag der Bewohner integriert sich gut in das Gebäude, das am selben Ort, mit derselben Grösse und Form sowie aus demselben Material besteht wie sein Vorgänger.

 

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Die äusserste Schicht der Fassade setzt sich aus Ortsmaterial zusammen. Foto: Simone Bossi

Ort: Sesto San Giovanni, Milano

Architekten: Studio Mascazzini

Fotograf: Simone Bossi

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