WIE TRANSFORMIERT MAN BUNKER?

Bunker 104 EHRS #3

Die Halbinsel Bungenäs liegt in der Nähe der schwedischen Stadt Fårösund. Hier finden sich um die 100 Bunker, darunter kleine mit einer Grösse von nur einigen Quadratmetern, aber auch ganze Stationen mit einer Fläche von bis zu 600 Quadratmeter. Ihre militärischen Vorzüge – Schutz und Unsichtbarkeit – fanden in einer sich ändernden Weltvorstellung bald keinen Platz mehr. Während der Bunker seinen Schutzmechanismus immer mehr verlor, wuchs seine einst intendierte Unsichtbarkeit. Es folgte eine lange Zeit des Verfalls. 2010 sollte ein junges schwedisches Architektenteam dem fortwährenden Zerfall ein Ende setzen und eine neue Ära für das unterirdische Gebilde einläuten. Für Skälsö war es der erste Auftrag nach dem Studium: «Bungenäs wurde unsere Schule nach der Schule, ein 165 ha grosser Klassenraum, der es uns erlaubte, Dinge im Massstab 1:1 zu testen.» Seither wurden auf dem weitläufigen Areal um die 30 Gebäude fertiggestellt. Es handelt sich bei den Einheiten zwar um Sommerhäuser im Eigentum, ihre Architektur ist jedoch weit weg von den ikonischen Solitärbauten, die diesen Luxus normalerweise verkörpern.

Bunker 104 EHRS #2

In den baulichen Erweiterungen haben die Architekten die Logik des Bunkers beibehalten. Die Aufteilung des durch unterirdische Wege zusammengehaltenen Ganzen in einzelne Parzellen war eine der grössten Herausforderungen. In Zusammenarbeit mit der Gemeinde unterteilten die Architekten Bungenäs in Abschnitte, die existierende Strassen und grössere Felsformationen berücksichtigen. Für die Neuorientierung des Gebauten liessen sie sich von den militärischen Eigenschaften des Ortes – den Baracken, Werkhallen und Bunkern – inspirieren. So haben sie zusätzliche Wände, Böden und Decken auch in Beton gegossen. Das räumliche Konzept ist eine Abfolge von verschiedenen Abschnitten, die sich dem Besucher erst in Bewegung offenbaren. «Es war einfach zu kommunizieren, dass wir hier keine normale Tür einbauen können. In dieser Umgebung mussten wir etwas Spezielles machen – alle verstanden das. Es durfte nicht zu gewöhnlich sein. Es wäre dann kein Bunker, sondern einfach ein normaler Raum unter der Erde. Wenn man in den Bunker hinuntergeht, erkennt man kaum, wo die neuen Abschnitte beginnen. Mehrere Leute, die das Haus besuchten, glaubten, es sei entweder alles alt oder alles neu. Das zu hören, fühlte sich an, als hätten wir die Logik des Bunkers gefunden», erläutert Architekt Erik Gardell. Das Projekt des jungen schwedischen Architektenbüros ist übrigens in Form einer Installation bis zum 25. November 2018 im Arsenale an der diesjährigen Architekturbiennale in Venedig zu sehen.

Architektur: Skälsö

Fotografie 1. / 2. / 3. Bild: Bruno Ehrs

Fotografie 4. Bild: Skälsö Arkitekter

Bunker 104 EHRS #6

MINDRE bunker 18 skälsö

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