WENN KÜNSTLER BAUEN

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Physikalische Phänomene wie Licht, Wasser, Bewegung und Reflexion interessieren Olafur Eliasson seit den Anfängen seiner Künstlerkarriere. So überrascht es nicht, dass der Künstler mit seinem grossen Team nach zahlreichen räumlichen Interventionen und vielen gemeinsamen Projekten mit Architekten nun eine Gesamtarchitektur geschaffen hat. Sein erstes Gebäude ragt im Fjordgebiet Vejle in Dänemark mehrere Geschosse aus dem Wasser. Nach einer fast zehnjährigen Planungs- und Entstehungsphase kann der mit dänischen Backsteinen gekleidete Bau seit Juni für einen begrenzten Zeitraum auf öffentlichen Führungen erkundet werden. Eliasson hat die vielversprechende Gelegenheit genutzt, seine jahrelangen Forschungen zu öffentlichem Raum, Lichtverhältnissen, Natur und Bewegung in die verschiedenen Räume einzuarbeiten. Das Fjordenhus stellt eine neue Verbindung zwischen dem von Wirtschaftsgebäuden geprägten Fjord und dem Stadtzentrum her. Eine Fussgängerbrücke dient als direkter Zugang auf Erdgeschossebene. Das Gebäude schafft es, Architektur, Natur und Kunst miteinander zu verweben und dabei disziplinäre Grenzen zu sprengen. Die organische Formensprache reagiert auf den Massstab und die Bewegungen der Besucher. Bewusst wird die natürliche Umgebung des Fjords im Entwurf aufgegriffen. Dies erklärt auch die Porosität des Gebäudekörpers, die auf das Aushöhlen von Aussenräumen aus dem Innenraum im Entwurfsprozess zurückzuführen ist. Das zunächst geschlossen behandelte Volumen, das sich aus vier überlagerten Zylindern zusammensetzt, gewann mit dem Werkzeug der Subtraktion ebenso an räumlicher Komplexität. Einige der an die Aussenhülle angrenzenden Räume orientieren sich vertikal und suchen so die Verbindung von Wasser und Himmel. Es ist aber nicht nur der Baukörper selbst, den Eliasson und sein multidisziplinäres Team entworfen haben: Teppiche, Möblierung, Beleuchtung und Ausstattung basieren ebenfalls auf ihren Ideen. Im Innern finden sich verschiedene Installationen des Künstlers, die nur im Kontext mit der Umgebung funktionieren. Die Installation «Cirkelspejl» etwa greift die Umgebung auf, indem sie die Aufmerksamkeit des Betrachters auf Wasser und Wetter um das Fjordhaus lenkt. Ein weiteres Beispiel ist der Fjordreflektor: Der zirkuläre Raum öffnet sich zum Wasser hin, das mit einem intensiven Spot von der Decke beleuchtet wird. So schafft der Bau auf mehreren Ebenen ein Spannungsverhältnis zwischen Natur und Architektur, das den Besucher in ein atmosphärisches Narrativ eintauchen lässt.

Künstler: Olafur Eliasson

Architektur: www.studiootherspaces.net

Mehr Informationen unter: www.fjordenhus.dk

Fotografie: Anders Sune Berg

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