Wenn Architektur pädagogisch wirkt

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Im italienischen Guastalla wurde im September 2015 ein neuer Kinderhort eröffnet, der Teil des Wiederaufbauplans nach dem Erdbeben in der Emilia Romagna im Mai 2012 ist. Der Architekt Mario Cucinella setzte sein Augenmerk dabei besonders auf zwei Aspekte: Erdbebensicherheit und, nicht minder wichtig, die Raumaufteilung. Fliessende Übergänge von Innen nach Aussen sollen eine wichtige pädagogische Aufgabe bei der Betreuung der Kleinkinder übernehmen.

6 Settembre 2015

Optimale Erdbebensicherheit, Energieeffizienz und Erziehung – das alles soll im Neubau des Kinderhorts in der italienischen Gemeinde Guastalla enthalten sein, der im April 2015 fertiggestellt wurde. 120 Kinder von 0 bis 3 Jahren finden im neuen Gebäude Platz, können wachsen, spielen, lernen und sich so wohl wie möglich fühlen.

Das Projekt basiert auf einem pädagogischen Konzept, bei dem Nichts dem Zufall überlassen werden soll: von der Aufteilung der Schulräume über die Wahl der Baumaterialien bis zur Integration zwischen Innen- und Aussenraum. Die Kinder sollen zwischen den geschlossenen Räumen und dem offenen Freien mit der Natur in Berührung kommen, die Nutzung von Tageslicht spielt dabei eine wesentliche Rolle.

6 Settembre 2015

6 Settembre 2015

Nach dem Erdbeben im Mai 2012 wurden zwei Kinderhorte in Guastalla stark beschädigt. Damit dies in Zukunft nicht wieder geschieht, entschied sich der Architekt Mario Cucinella bei der Wahl der Tragkonstruktion für Brettschichtholz. Die ungewöhnliche Struktur des Gebäudes wurde von Rubner Holzbau realisiert, das sich auf die Errichtung von Grossbauten aus Brettschichtholz spezialisiert hat.

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Der Bau besteht hauptsächlich aus dem Naturstoff, nur das Fundament wurde aus Stahlbeton gegossen. Brettschichtholz weist mehrere positive Eigenschaften auf: Neben seiner hohen Stabilität belastet das recycelbare Material die Umwelt nur gering. Der Holzbau erhielt zudem punkto Energieeffizienz die Zertifizierungsklasse A. Moderne Aufbereitungsanlagen für Regenwasser, eine Photovoltaikanlage auf dem Dach sowie eine hochwertige Wärmedämmung tragen ihren Teil dazu bei.

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Doch nicht nur die funktionalen Aspekte waren für die Wahl des Materials ausschlaggebend. Auch das pädagogische Konzept beeinflusste den Entwurf des Gebäudes, was sich auch in der Raumaufteilung bemerkbar macht. Mario Cucinella lässt die Räume von Innen nach Aussen fliessend in sich übergehen.

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Der Kinderhort fügt sich zudem sowohl optisch als auch unter architektonischen Gesichtspunkten in das charakteristische Umfeld ein. Die geschwungene Form der Holzkonstruktion gibt dem Bau Leichtigkeit, fügt sich harmonisch in den Aussenraum, der von einem reich strukturierten Baumbestand geprägt ist und interagiert so mit ihm. Zahlreiche vertikale Holzelemente greifen das Motiv der Baumzeilen und landwirtschaftlichen Fläche des Umfelds auf.

6 Settembre 2015

Projektinformationen

Architekt: Mario Cucinella Architects
Bauherr: Gemeinde Guastalla, Italien
Ort: Guastalla, Reggio Emilia, Italien
Baujahr: 2014 – April 2015
Eröffnung: 19. September 2015
Fläche: 1400 m²
Holzkonstruktion: Rubner Holzbau GmbH
Visualisierungen: Cristian Chierici – CC79
Fotos: Moreno Maggi

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