Ein Raum für Terrakotta

In diesem Ausstellungs- und Arbeitsraum steht die Terra Cotta Kunst im Mittelpunkt

In diesem Ausstellungs- und Arbeitsraum steht die Terrakotta-Kunst im Mittelpunkt.

Die Architekten von Tropical Space Nguyen Hai Long, Tran Thi Ngu Ngon, Nguyen Anh Duc und Trinh Thanh Tu bauten für den lokalen Terrakotta-Künstler Le Duc Ha ein Traumatelier. Umgeben von Vietnams ruraler Landschaft, liegt das Studio gleich neben dem Fluss Thu Bon. Der Entwurf bedient sich vor allem regionaler Baumaterialien und knüpft an die örtliche Bautradition an.

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Der Bau befindet sich in der Nähe des Flusses, der immer wieder für Überschwemmungen sorgt.

Die unmittelbare Umgebung des Studios von Le Duc Ha ist geprägt von Landwirtschaft und traditionellem Handwerk, das neben Terrakotta auch Bambusmatten und Seide umfasst. Bestimmend für die Struktur des Bauwerks waren insbesondere die funktionalen Abläufe der Terrakotta-Produktion, sowie auch der Wunsch, eine Ausstellungsfläche und eine Interaktionsmöglichkeit für Besucher zu integrieren.

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Die Terrakotta-Skupturen werden auf dem aussenliegenden Bambusgerüst getrocknet.

Die Produktionsabläufe lassen sich ringartig in der Struktur ablesen. Nähert man sich dem Bau von aussen, findet sich zunächst eine Art Einzäunung des Studiogeländes durch einen Bambusrahmen. Da dieser grösstenteils frei von Schatten bleibt, bietet er das ideale Gerüst, um die fertigen Produkte zu trocknen. Zudem wurden Bänke in die Struktur eingebaut, die sich bei nicht zu starker Sonneneinstrahlung als Erholungsraum anbieten.

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Wird das Gebäude im Dunkeln ausgeleuchtet, entsteht ein spannendes Lichtspiel.

Das Bambusgitter schützt auch den dahinter liegenden Kräutergarten. Einige Meter weiter trifft man auf die in der traditionell vietnamesischen Baukultur verankerten Lehmziegel, die sich senkrecht in die Höhe arbeiteten. Die Gliederung der Fassade lässt dabei strukturelle Öffnungen zu, die einem regelmässigen, grobmaschigen Raster zugrunde liegen. Verschiedene Variationen der Verlegungsarten sorgen für ein spannendes Spiel zwischen Licht und Schatten im Innenraum. Ausserdem tragen die Leerräume zwischen den Ziegeln zur besseren Ventilation bei und sorgen somit für ein angenehmes Raumklima. Die Lehmziegel formen sich so zu einer semipermeablen Haut, die zwischen dem privatem Arbeitsbereich und den ausgestellten Kunstwerken vermittelt.

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Das innenliegende Holzgerüst orientiert sich an der Geometrie der Aussenwand.

Der grösste Teil des Innenraums ist durch eine traditionell gefertigte Holzstruktur geprägt, welche auf Modulen von jeweils 60 Zentimetern basiert. Um den gefährlichen Fluten des Flusses gewappnet zu sein, werden hier sowohl die fertiggestellten als auch die noch fertigzustellenden Terrakotta-Stücke gelagert. Das multifunktionale Gerüst schafft zudem die Basis für Treppe, Bänke und Regalelemente. Auch als Erkundungsort für Besucher funktioniert es ideal – diese können nicht nur die Skulpturen bestaunen, sondern auch den Künstler bei der Arbeit beobachten. Zuoberst wurde zudem ein Rundgang in die Struktur eingelegt, der Einblicke in den vielschichtigen Innenraum, wie auch Ausblicke auf die traditionelle Kulturlandschaft gibt. Bewusst inszenierte Ausblicke in Himmel und Garten bleiben dabei nicht aus.

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Die Terrakotta-Skulpturen können an vielen Orten im Gerüst situiert werden.

Das Herzstück des Gebäudes und gleichsam der Arbeit von Le Duc Ha ist der Drehtisch. Als primäres Arbeitsinstrument wird er fast sakral inszeniert – er liegt mittig im Raum und wird von oben durch eine runde Öffnung im Beton belichtet. Gleichzeitig ist ein funktionaler Gedanke zu spüren: Der Raum bietet dem Künstler Ruhe und Schatten, wobei es aber nicht am benötigten Arbeitslicht mangelt. Die Raummitte wurde dabei absichtlich leer gelassen, denn so soll Raum für die Konversation des Künstlers mit seinen Werken entstehen. Auch war es die Absicht, das Vergehen der Zeit durch die Bewegung des Lichts auf der Skulptur sichtbar zu machen. Das Terrakotta-Studio «dreht» sich also förmlich um die Achse des Drehtisches.

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Der Eingang wird mit einem Vordach aus Bambus akzentuiert.

Ein Blick auf den streng symmetrisch angelegten Grundriss erinnert an die starke Abhängigkeit des Programms und die optimalen Funktionsabläufe, wie sie etwa in ehemaligen Fabrikanlagen oder Festungsgrundrissen zu finden sind. Die Wichtigkeit der Symmetrie ist auf vielen Ebenen erkennbar. Auch der Baukörper selbst präsentiert sich als Kubus, dessen Seitenlängen alle jeweils sieben Meter betragen.

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Der streng quadratische Grundriss fällt auch im Situationsplan auf.

Gebaut haben das Studio lokale Handwerker. Die Baumaterialien stammen dabei größtenteils aus der lokalen Baukultur, denn bis auf den Beton und das Glas besteht die Struktur vorwiegend aus traditionellen Elementen wie Lehmziegel und Bambus. Exemplarisch zeigt das Bauwerk, wie traditionelle Bautechniken neu interpretiert werden können. Auch zeigt es, wie eine mannigfaltige Architektur aus einfachen Mitteln entstehen kann, wenn dabei der funktionale Gedanke und der architektonische Raum spannungsvoll zueinanderfinden.

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Besucher sollen mit dem Künstler während seiner Arbeit kommunizieren können.

Ort: Dien Phuong, Dien Ban, Quang Nam Province

Baujahr: 2016

Architektur: Tropical Space

Fotografie: Oki Hiroyuki

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