Ein Gotteshaus der anderen Art

Werknutzungsbewilligung für Gerhard Sacher. loci cero. architectes, Graz

An der Familienkapelle Maria Magdalena, die am Rande des Magdalensberg, in Sichtweite der Burg Hochosterwitz ihre weisse Pracht zur Schau stellt, kommt man nicht unbeeindruckt vorbei. Sacher Locicero Architectes erschufen hier eine moderne Landmarke und einen besonderen Ort der Ruhe zugleich, der mit seiner schlichten Formensprache inmitten der Felder überrascht und dabei sowohl Raum für Stille und Erinnerung als auch für kleine und grössere Familienfeiern bietet.

Werknutzungsbewilligung für Gerhard Sacher. loci cero. architectes, Graz

Das Kärntner Zollfeld mit seiner langen kulturgeschichtlichen Tradition bietet der kleinen Kapelle inmitten eines noch jungen Weingartens eine würdige Umgebung. Den in Weissbeton und Glas gehaltenen Bau entworfen hat der Architekt Gerhard Sacher, der dabei ganz der Geometrie des Goldenen Schnitts folgte.

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Diese orientiert sich am Mass des Menschen. Die wohl berühmteste Darstellung davon ist eine 1490 n. Chr. angefertigte Zeichnung von Leonardo da Vinci, die einen Mann mit ausgestreckten Armen und Beinen darstellt, Fingerspitzen und Sohlen berühren ein ihn umgebendes Quadrat bzw. einen Kreis. Durch Le Corbusier fand dieses Modell in den 40er-Jahren wieder Zugang zur Architektur unserer Zeit.

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Ein kreisförmiger, leicht abgesenkter Vorplatz aus Kies, der über eine leicht geschwungene Zugangsrampe erreichbar ist, umgibt das Gotteshaus, das je nach Lichtverhältnissen andere Farb- und Oberflächeneindrücke präsentiert – vom glänzenden Weiss bis zum kühlen Weissblau der Dämmerung.Werknutzungsbewilligung für Gerhard Sacher. loci cero. architectes, Graz

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Das schlanke Satteldach ragt fast 8 m in die Höhe, jeweils drei Fensterschlitze auf dem Dach und den Seitenwänden orientieren sich am Einfallswinkel des Sonnenlichts und bringen Helligkeit und unterschiedliche Stimmung ins Innere der kleinen Kirche. Ein massives Doppelflügeltor aus geschlagener Bronze lässt sich weit öffnen und integriert so den Vorplatz in den Innenraum, was bei Feiern noch mehr Raum bietet.Werknutzungsbewilligung für Gerhard Sacher. loci cero. architectes, Graz

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Das Innere der Kapelle ist ebenfalls in reinem Weiss gehalten, nur durch die fast bis zum Boden verglaste Ostseite wird der Blick auf das davor stehende dunkle Bronzekreuz und den Magdalensberg gelenkt und so die spirituelle Verbindung nach aussen geschaffen.Werknutzungsbewilligung für Gerhard Sacher. loci cero. architectes, Graz

53 m³ selbstverdichtender Beton wurden für den Bau des Gotteshauses verwendet. Er weist eine erheblich weichere Konsistenz als Rüttelbeton auf und entlüftet sich durch die Wirkung der Schwerkraft selbständig.

 

Projektinformationen

Architekten: Sacher Locicero Architects, Graz/Paris
Bauherr: privat
Statik: Pittino ZT-Gmbh, Graz
Ort: Zollfeld, Kärnten AT
Werkstoff: 53 m³ – Flowstone weiß, SCC Beton
Nutzfläche: 27 m²
Planungszeitraum: Juni 2012 – Oktober 2013
Bauzeit: Oktober 2013 – Juli 2014
Fotos: DI Helmut Candussi, Paul Ott

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