Eine Berghütte für mehr Wanderlust

Foto: Jan Inge Larsen

Foto: Jan Inge Larsen

Bei den heissen Temperaturen bietet ein Trekking in den Bergen Abkühlung. In Norwegen wird den Besuchern mit der «Rabothytta» von JVA Architekten nach anstrengender Wanderung eine Belohnung besonderer Art gegeben. In dieser Berghütte herrscht zwar Self-service, die Architektur hat aber einiges zu bieten. Klar ist, wer in diesen Räumen übernachtet, wird sich am nächsten Morgen mit dem Abwandern schwer tun.

Foto: Jan Inge Larsen

Foto: Jan Inge Larsen

In Okstindan waren auf 1’200 M. ü. Meer die Architekten Einar Jarmund, Hakon Vigsnaes, Alessandra Kosberg und Anne Sønderaal Tolfsen am Werk. Entstanden ist ein zweigeschossiger Solitär, der nur zu Fuss oder per Ski erreicht werden kann. Obwohl das Gebäude  auf einem massiven Betonfundament ruht, bauten die Architekten für den Fall der Zerstörung der Rabothytta gleichzeitig eine zweite Hütte in 50 Meter Entfernung. Diese 70 m2 grosse Notresidenz ist die kleine Schwester der 200 m2 grossen Rabothytta. Benannt nach Abenteurer Charles Rabot (Glaziologe und Geograph), der ab 1900 in der Region forschte, wurden für die Rabothytta und ihre Schwester denn auch lokale Materialien und Arbeitskräfte eingesetzt.

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Die äussere Verschalung besteht aus lokal gewonnenem Bauholz, wobei die raue Oberfläche mit einem Eisensulfat bearbeitet wurde. Die gleichen Holzpaneele schmücken auch den Innenraum. Nur in den Schlafräumen und den Nebenfunktionsräumen sorgen weiss überzogene Paneele für eine hellere Atmosphäre. Die Farben wurden bewusst schlicht gehalten. Die sich fortan verändernde Kolorierung der Kleider und Gepäckstücke der Besucher sticht so besonders hervor. Auch die Möblierung wurde aus lokalem Holz – diesmal Birke – gefertigt.

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Das Erscheinungsbild der Rabothytta oszilliert zwischen der etwas weiter unten verwurzelten, traditionellen Holzbauweise und einer felsartig anmutenden Infrastruktureinrichtung. Die kompakte Form der Hütte ist funktional durch die extremen Wetterbedingungen im norwegischen Gebirge bedingt. Einzig die zwei Kamine ragen oben aus dem Baukörper heraus. Sie treten in Dialog mit der Topografie der Gebirgsspitzen und wirken gleichsam als statische Stabilisatoren, weshalb keine Zugkabel benötigt wurden.

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Die Höhe erforderte zudem aufwendige Fenster, die dem Druck standhalten können. Für das Licht ist die Sonne zuständig: Die Innenbeleuchtung wird mit Energie aus Solarpaneelen gespeist. Auch das Heizsystem ist durch zwei effiziente Heizöfen möglichst einfach und effizient gehalten. Da sie die einzigen Wärmespender im  Haus sind, ermöglichen Schiebetüren als Wärmeblocker das Abtrennen der nicht benutzten Räume bei wenigen Gästen.

Foto: Jan Inge Larsen

Foto: Jan Inge Larsen

Im Innern eröffnet der introvertierte Raum eine unerwartete Weite. Zwei mehrgeschossige Gemeinschaftsräume und grosse Panoramafenster erwecken ein Gefühl von Freiheit. Das Raumprogramm ist diagonal organisiert. Diesem Konzept wird konsequent bis in die Details Rechenschaft getragen. Die Küche wird zum intimen Zentrum, das beidseitig direkt auf die mehrgeschossigen Räume tritt. Es entsteht eine innere Spannung der Räume zueinander, die sich auf jeder Seite durch grosse Fenster in die Umgebung entlädt. An einem Ende öffnet sich der Blick zur Bergspitze hin, am anderen über das Plateau ins Tal.

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Foto: Svein Arne Brygfjeld

Die Schlafräume hingegen sind mit kleinen Fenstern ausgestattet, welche die Umgebung gekonnt einrahmen. Auf den ersten Blick lässt sich kaum erahnen, dass hier ein stolzes Programm von 30 Betten untergebracht ist. Gleich nebenan liegt still der Gletscher, die Natur lässt sich nicht von der Hütte beeindrucken. Seit der Fertigstellung 2014 wird die Rabothytta aber regelmässig von Wanderlustigen heimgesucht und lässt dabei keinen unbeeindruckt. Die Nothütte steht (zum Glück) bis heute unbewohnt in der Berglandschaft.

Foto: Einar Aslaksen

Foto: Einar Aslaksen

Architektur: JVA

Fotografen: Einar Aslaksen, Jan Inge Larsen, Svein Arne Brygfjeld

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