Das Labyrinth

012 Labyrint 2Von der Antike bis in die Neuzeit, ob als Gefängnisersatz oder als Gartengestaltung: Irrgärten interessieren, imponieren und irritieren uns Menschen schon seit Urzeiten. Jeder kennt wohl die Geschichte des Minotaurus, der vom kretischen König Minos in einem Labyrinth eingesperrt wurde – doch das ist vermutlich bloss eine Legende. Im belgischen Genk wurde kürzlich eine reale und besonders interessante Variante eingeweiht, die ihren Besuchern auch Blickwinkel bietet, die sonst dem Erbauer eines Labyrinths vorbehalten sind.

008 Labyrint 2Entworfen haben die riesige Installation aus Stahl die Architekten Pieterjan Gijs und Arnout van Verenbergh. Im Aussenbereich des C-Mine Kunstzentrums, das jährlich über 800 000 Besucher verzeichnet, soll «das Labyrinth», wie die Konstruktion schlicht genannt wird, nun die Balance zwischen Kunst und Architektur zeigen.

043 Labyrint 237.5 m lang und genau so breit ist das Stahlquadrat, das in seinem Inneren erstaunlich viel Platz bietet. Ein Weg von 1 km Länge führt durch ganz unterschiedliche Räume, darunter auch grössere Bereiche, die als Treffpunkte dienen. Das Raumerlebnis steht im Mittelpunkt.

040 Labyrint 2Wandausschnitte in unzähligen Formen sollen die Logik des Labyrinths in einer Neuinterpretation brechen und bieten den Besuchern dadurch unübliche, überraschende und spannende Einblicke in die Nebenräume. Verschiedene Standorte eröffnen dabei unterschiedliche Perspektiven – in einem normalen Labyrinth gibt es eine solche Sicht durch die Wände nicht.

039 Labyrint 2 030 Labyrint 2 016 Labyrint012 LabyrintBesonders ist vor allem eine weitere Möglichkeit: Von einem Turm aus kann die ganze Installation von oben betrachtet und auf die hindurch schlendernden Besucher geschaut werden. So sieht man den stählernen Irrgarten als Ganzes. Ein Privileg, das sonst nur dem Erbauer eines Labyrinths gewährt wird.

053 Labyrint 2049 Labyrint 2Bis zum 30. September 2015 können Labyrinthverrückte, Kunst- und Architekturinteressierte den Weg durch die 5 m hohen Stahlwände noch ausfindig machen – oder vom Turm aus beobachten, wie sich andere dabei schwertun. Dabei ist eins sicher: Hier gibt es weder Minotauren, noch müssen selbst ernannte Monsterbezwinger den Weg in die Freiheit mit einem Faden aus Garn markieren. Wieder herausfinden wird jeder – und das auf jeden Fall um eine Erfahrung reicher.

Projektinformationen

Ausstelldauer: 10. Juli bis 30. September 2015
Grösse: 37.5 x 37.5 m / Irrweg: 1 km
Künstler: Gjis Van Vaerenbergh Architekten
Stahlbau: Bollinger + Grohmann
Ausführung: Meuwes Laswerken
Bilder: Filip Dujardin

 

Kommentar verfassen